Zur Aktualität des Würdebegriffs

Deutsch-japanische Forschergruppe

Von 2009 bis 2011 bestand eine Kooperation zu ethischen Fragestellungen zwischen undefinedProf. Yasushi Katô, Lehrstuhl für Sozialphilosophie der Hitotsubashi-Universität Tokyo (vormals Nanzan Universität in Nagoya), undefinedProf. Dr. Shingo Shimada, Lehrstuhl Modernes Japan II der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf und undefinedProf. i. R. Dr. Dr. Dieter Birnbacher (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf). Auf der japanischen Seite war die Kooperation Teil des geförderten Projekts „Angewandte Ethik im deutschsprachigen Raum – zur Klärung des Begriffs der ‚Menschenwürde’“ (Laufzeit 2007–2011) das von Prof. Katô geleitet wurde. In diesem Zusammenhang fanden in Düsseldorf die folgenden Workshops statt:

undefined„Angewandte Ethik in Deutschland unter der Perspektive des Kulturvergleichs“, Workshop, 18. bis 20. März 2009

undefined„Zur gesellschaftlichen Relevanz des unternehmerischen Handelns. Unternehmensethik in Japan und Deutschland”, Workshop vom 11. bis 13. März 2010, Schloss Mickeln

 undefined„Leben, Sterben und Menschenwürde – ein deutsch-japanischer Workshop“, 3. bis 5. März 2011, Schloss Mickeln (Düsseldorf)

Seit 2014 wird die Kooperation unter dem Arbeitstitel „Zur Aktualität des Würdebegriffs“ fortgeführt. Organisatorisch schließt sich diese Forschergruppe an das Vorgängerprojekt „Angewandte Ethik im deutschsprachigen Raum – zur Klärung des Begriffs der ‚Menschenwürde’“ an, durch welches das Forschernetzwerk aufgebaut wurde. Im März 2014 fand das erste Treffen zur Diskussion des Projektinhaltes in Düsseldorf statt und im Oktober 2014 bereits das erste Symposium an der Hitotsubashi Universität in Tokyo zur Thematik „Würde des Lebens“. Weitere Veranstaltungen sowie die Veröffentlichung der Ergebnisse sind geplant.

Skizze des Kooperationsprojektes

Angesichts des radikalen Wandels der gesellschaftlichen Verhältnisse gewinnt die Auseinandersetzung mit grundlegenden sozialen Werten wieder zunehmend an Relevanz. Die Frage „Was hält die Gesellschaft zusammen?“ ist erneut zu einem dringend zu lösenden Problem geworden. Diese in das Innere der Gesellschaft gerichtete Frage wird jedoch zugleich von grenzüberschreitenden globalen Prozessen begleitet, was die Komplexität der Problemlage erhöht. Es ist nicht mehr möglich die Frage nach sozialen Werten allein innerhalb einer Gesellschaft zu verhandeln. Vor dem Hintergrund dieser allgemeinen Rahmenbedingungen beschäftigt sich die Forschergruppe mit dem Begriff der Würde bzw. Menschenwürde, einem der zentralen Werte der Moderne. Ziel ist es, die Wechselwirkungen zwischen gesellschaftlichen Innenansichten und grenzüberschreitenden Prozesse herauszuarbeiten und sowohl historisch als auch kulturell vergleichend die aktuelle Relevanz dieses Begriffs für vielfältige Phänomene in den heutigen Gesellschaften zu untersuchen.
Eine zusätzliche Relevanz erhält dieser Begriff zudem durch die Entwicklungen in der Medizin- und Gentechnik. Herkömmliche Konzepte wie „Leben“, „Geburt“, „Tod“ und das „Menschliche“ werden durch die technischen Entwicklungen in Frage gestellt, wodurch das Selbstverständliche des Alltagslebens erschüttert wird. In den Debatten zur Embryonenforschung, Reproduktionsmedizin und Sterbehilfe ist eine Verunsicherung spürbar, ob die bisher angenommene Universalität des Würdebegriffes weiterhin haltbar ist oder wie man heute angesichts der neuen technischen und wissenschaftlichen Entwicklungen sinnvoll mit dem Begriff der Würde umgehen kann.

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