Aktuelle Forschungsprojekte

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undefined„Gärten als Verhandlungsräume: Die Kategorisierung von neuen Gärten in Japan zwischen 1880 und 1930 als Frage der nationalen Selbstbeschreibung“
C. Tagsold, N. Dahl

undefined„Bedeutung von Diversity im öffentlichen Diskurs zu politischen Maßnahmen für Familie und Arbeit in Japan“
A. Schad-Seifert, C. Noack, N. Kottmann, S. Osawa, A. Jambor

undefined„Altersdemenz und lokale Fürsorge – ein deutsch-japanischer Vergleich“
老人性認知症と地域支援 – 日独比較の観点から

S. Shimada, J. Spisa, L. Lewerich, K. Fujiwara, C. Spoden (HHU Düsseldorf)
K. Kuroki, K. Toyota, Y. Matsuo, H. Fukuzaku (Kumamoto Gakuen Universität)

undefined„Japanische Populärkultur und Gender. Mainstream-Produkte als „Spiegel“ und „Motor“ des gesellschaftlichen Wandels der Genderkonstruktion.“
M. Mae, J. Siep, S. Klasen, E. Scherer


„Gärten als Verhandlungsräume: Die Kategorisierung von neuen Gärten in Japan zwischen 1880 und 1930 als Frage der nationalen Selbstbeschreibung“

Ein von der undefinedDFG gefördertes Forschungsprojekt (TA 1103/2-1)

Ch. Tagsold, N. Dahl

Der Kyû-Furukawa-Garten in Tokyo

Die Idee des japanischen Gartens ist ein Produkt der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Durch Gärten auf Weltausstellungen und einen sowohl von Europäern und Nordamerikanern als auch Japanern selbst geführten Diskurs über Gärten in Japan entstand im Wechselspiel zwischen diesen westlichen Fremdzuschreibungen und nationaler Selbstrepräsentation die Vorstellung eines nationalen Stils. Als Folge wurde es in Nordamerika und Europa modisch, japanische Gärten anzulegen. Die Idee des japanischen Garten wurde in den 1930er Jahren um das Element "Zen-Buddhismus" als Erklärung der symbolischen Wirkung dieser Räume ergänzt. Die Forschung der letzten zwei Jahrzehnte hat diesen Prozess der kulturellen Übersetzung zwischen dem Westen und Japan klar herausarbeiten können.

Während also Diskurs und japanische Gärten im Ausland inzwischen gut analysiert worden sind, ist die Entwicklung des Gartendesigns in Japan selbst in diesem Zeitraum deutlich weniger erforscht. Die neu angelegten Gärten speziell zwischen 1890 und 1930 bilden aber das Gegenstück im Übersetzungsprozess - sie sind nicht unabhängig von den bereits erforschten Prozessen entstanden. Vor allem private Gärten reicher Industrieller, Politiker oder Künstler wurden nach neuen Vorstellungen errichtet. Bemerkenswert ist, dass diese Gärten von Gartenwissenschaftlern in Japan lange gar nicht als japanisch anerkannt wurden, sondern bestenfalls als ekklektisch galten. In den letzten Jahrzehnten sind jedoch viele dieser Gärten zu nationalen Denmälern erklärt worden und werden in diesem Zusammenhang inzwischen als klar japanisch kategorisiert.

Das Projekt untersucht an fünf ausgewählten Beispielgärten, wie es dazu kam. Dazu sind die vier Ebenen bedeutsam: 1. Errichtungskontext; 2. frühe Rezeption der Gärten in der (Fach-)Presse; 3. Diskussionen um die Erhaltung in den 1970er Jahren mit der Folge der Aufnahme in Denkmallisten und schließlich 4. die weitere Pflege, Verwendung und Japanisierung der Gärten. So lässt sich zeigen, wann die Kategorisierung als "japanische Gärten" aufkam und wie dieses Argument in die Diskussion eingeführt wurde sowie dort Geltung erlangte. Deutlich wird darüber hinaus die Verbindung zu anderen Diskursfeldern, die für die nationale Selbstbestimmung in Japan zentral sind. Die Fragen der Natur und der besonderen Liebe der Japaner zur Natur spielen hier eine wichtige Rolle. Über die Gärten lässt sich zeigen, dass diese den nihonjinron (Japanertheorien) entlehnte Verwendung von Natur in den Diskussionen um die Gärten erst langsam übernommen wurde und in Konkurrenz zu einem eher durch die westlichen Naturschutzdiskurse beeinflussten Argumentationsmuster steht. Über Archivarbeit und Experteninterviews wird das Projekt diese Entwicklungen nachzeichnen und damit einen Beitrag zur Frage der kulturellen (Rück-)Übersetzung und Bestandteilen der Japanertheorien in praktischen Feldern leisten.


„Bedeutung von Diversity im öffentlichen Diskurs zu politischen Maßnahmen für Familie und Arbeit in Japan“

A. Schad-Seifert, C. Noack, N. Kottmann, S. Osawa, A. Jambor

Der Diskurs um die Bedeutung und Notwendigkeit von Diversität beginnt sich in Japan erst seit kurzem in der Familien- und Arbeitspolitik durchzusetzen. Während in den USA bereits seit Jahren eine intensive Debatte um Diversity Management als Voraussetzung für mehr Produktivität geführt und als kompetitive Ressource von Unternehmen betrachtet wird, scheint sich in Japan aufgrund verschiedener struktureller Eigenheiten dieses Thema eher gering im öffentlichen Diskurs entwickelt zu haben. Dieses wird auf die im Vergleich zu multikulturellen Gesellschaften wie den USA eher ethnisch homogene Zusammensetzung der Bevölkerung und das Fortwirken von geschlechtlich traditionellen Rollenmustern zurückgeführt (Magoshi, Chang 2009: 31). Seit einigen Jahren jedoch wird infolge des demographischen Wandels und der wirtschaftlichen Rezession eine verstärkt nach dem Prinzip der Diversität ausgerichtete Umgestaltung der sozialen Strukturen angemahnt. Dazu zählen in Japan die Öffnung des Arbeitsmarktes für ausländische Arbeitskräfte und die Einführung familienfreundlicher Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Unternehmen. Obwohl Diversity sich im Bereich des Personalmanagements auf verschiedene Differenzkategorien wie Nationalität, Ethnizität, Alter, Geschlecht, geistige und körperlich Behinderung beziehen kann, fokussiert sich in Japan das Thema gegenwärtig verstärkt auf das Spannungsverhältnis zwischen Familie und Arbeit und wird sehr kontrovers diskutiert. So fürchtet die japanische Regierung zwar eine ökonomische Schwächung infolge der schrumpfenden und alternden Arbeitsbevölkerung, möchte aber ohne Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte auskommen. Ziel der amtierenden japanischen Regierung ist vielmehr eine an den Erfordernissen der Wirtschaft ausgelegte verstärkte Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt („Womenomics“) und die flexiblere Gestaltung der Beschäftigung im Sinne einer verbesserten Work-Life-Balance für alle japanischen Arbeitnehmer.
Dabei wird deutlich, dass zum einen mithilfe der Rekrutierung des weiblichen Teils der japanischen Bevölkerung eine Diversity der ethnischen Vielfalt auf dem Arbeitsmarkt vermieden werden soll, andererseits aber in den Unternehmen eine Diversity der Geschlechter empfohlen wird.
Die Politik befindet sich also in einem ambivalenten Prozess der ökonomischen Forderung nach Marktöffnung, Globalisierung und Deregulierung einerseits und konservativer Beharrung auf den Wertekodex der vermeintlich nationalen Einheit Japans andererseits.
Das Projekt untersucht die konkurrierenden Diversity-Diskurse als Wissenspolitiken, die im Bereich der politischen Maßnahmen in verschiedener Weise auf die konkrete Umsetzung im Bereich der Familien- und Arbeitsmarktpolitik einwirken.


„Altersdemenz und lokale Fürsorge – ein deutsch-japanischer Vergleich“

老人性認知症と地域支援 – 日独比較の観点から

Ein von DAAD und JSPS gefördertes Forschungsprojekt

Sh. Shimada, J. Spisa, L. Lewerich, K. Fujiwara und C. Spoden (HHU Düsseldorf)
K. Kuroki, K. Toyota, Y. Matsuo, H. Fukuzaki (Kumamoto Gakuen Universität)

Die internationale Forschungsgruppe

Der Umgang mit altersdementen Personen im lokalen Kontext stellt sowohl für Deutschland als auch für Japan ein hochaktuelles gesellschaftliches Problem dar. Durch die zunehmende Verschärfung der Problemlagen der Altersdemenz wird immer deutlicher, dass es weder allein in der Familie noch allein in Pflegeheimen zu lösen ist. Die lokalen Gemeinschaften sind nun herausgefordert, dieses Problem anzunehmen und von sich aus Lösungsmöglichkeiten zu generieren.
Ziel des interdisziplinär-internationalen Forschungsprojektes ist es, durch empirische Forschung in Pflegeeinrichtungen in Düsseldorf und Fukuoka soziokulturelle Hintergründe für unterschiedliche Umgangsweisen mit altersdementen Personen in Deutschland und Japan herauszuarbeiten und aus kulturvergleichender Perspektive neue Lösungsansätze für den Umgang mit altersdementen Personen im lokalen Kontext zu erschließen. Zudem soll die bisherige Forschung zur Altersdemenz durch kultur- und sozialwissenschaftlichen Ansätze ergänzt werden.


„Japanische Populärkultur und Gender. Mainstream-Produkte als „Spiegel“ und „Motor“ des gesellschaftlichen Wandels der Genderkonstruktion.“

M. Mae, K. Hülsmann, S. Klasen, E. Scherer, J. Siep

Die japanische Populärkultur erfreut sich weltweit großer Beliebtheit, besonders unter jungen Menschen. In vielen populärkulturellen Produkten kann man dabei aufschlussreiche neue Ansätze für die sich wandelnden Geschlechterbilder und –modelle erkennen, die für eine wissenschaftliche Untersuchung sehr ergiebig und wichtig zu sein scheinen. Dieses noch kaum systematisch erforschte Gebiet ist das Thema des Projektvorhabens.
Tapfere Kämpferinnen, alleinerziehende Väter, Schulmädchen mit magischen Kräften – in der Welt der japanischen Populärkultur scheinen vielfältige Experimente in der Genderkonstruktion möglich zu sein. Das Experimentieren mit Geschlechterrollen hat sich zu einem regelrechten Merkmal von populärkulturellen Produkten wie Manga (japanische Comics), Anime (japanische Zeichentrickfilme) und terebi dorama (japanische TV-Serien) entwickelt. Die zunehmende Individualisierung von Lebensformen, die derzeit in der japanischen Gesellschaft zu beobachten ist, wird also auch in der Populärkultur aufgegriffen. Trotz der zunehmenden Kommerzialisierung dieser Populärkultur und der damit einhergehenden „Mainstreamisierung“ ist davon auszugehen, dass die Populärkultur ein starkes subversives Potential für den Wandel der Genderkonstruktion besitzt. Gerade in ihrer Ambivalenz, zwischen Progressivität und Konventionalität verortet zu sein, bietet die Populärkultur Raum für vielfältige Interpretationsansätze.
Die japanische Populärkultur motiviert die Rezipienten zur Schaffung eigener Ausdrucksformen – auch und ganz besonders im Bereich der Konstruktion geschlechtlicher Identitäten. Diese neuen geschlechtlichen Identitätskonstruktionen werden einerseits durch die Populär-kultur stark beeinflusst, werden gleichzeitig aber in den populärkulturellen Produkten auch besonders produktiv zum Ausdruck gebracht. Diese Produkte haben also die Doppelfunktion eines „Spiegels“ (gesellschaftlicher Strukturen und Entwicklungen) und eines „Motors“ (der gesellschaftlichen Wandel bewirken kann).

Zu dem Projekt ist folgendes Buch erschienen:

Mae, Michiko; Scherer, Elisabeth; Hülsmann, Katharina (Hg., 2016): undefinedJapanische Populärkultur und Gender. Ein Studienbuch. Wiesbaden: Springer VS.

Verantwortlich für den Inhalt: E-Mail sendenRedaktionsteam Institut Modernes Japan